Dienstag, 22. Januar 2008
Thema: Anforderungen
Vor einiger Zeit habe ich zusammen mit Chris Rupp und Frank Rachinger erforscht, ob sich ein Benutzerhandbuch als Spezifikation eignet (Vortragsfolien und Vortragsankündigung).
Die grundlegende Idee war, dass im Benutzerhandbuch eine funktionale Beschreibung aus Benutzersicht beschrieben ist - dieselbe Information, die schließlich auch in der Spezifikation landet. In unserem Artikel haben wir einen (theoretisch) gut funktionierenden Ansatz beschrieben, Aufwand zu sparen und dieselbe Information nur 1x zu dokumentieren - im Benutzerhandbuch.

In einem Projekt bei Spirit Link hatte ich jetzt die Gelegenheit, diesen Ansatz praktisch zu prüfen.
Vorweg: Wir haben uns zu Beginn dagegen entschieden, mit dem Benutzerhandbuch zu spezifizieren und zwei Dokumente geschrieben. Dennoch habe ich immer wieder an meine alten Forschungen gedacht und sie während des Projekts auf eine mögliche Umsetzung geprüft - immerhin hätte sie uns min. 30% des gesamten Aufwands gespart!

Wir haben uns aus folgenden Gründen dagegen entschieden:
  • Benutzerhandbuch und Spezifikation haben unterschiedliche Leser.
    Das Benutzerhandbuch muss extrem gut verständlich sein, da es eine komplexe Applikation beschreibt und die Anwender teilweise wenig IT-Verständnis besitzen.
    Die Spezifikation ist für Projektbeteiligte (Auftraggeber und uns) und soll u. a. als formale Grundlage für die Weiterentwicklung dienen.
  • Die Spezifikation ist eine formale Grundlage für Tests. Sie muss daher auf derselben detaillierten Abstraktionsebene komplett das gesamte System beschreiben.
  • Die Sprache ist unterschiedlich - Prosa vs. Eindeutigkeit; Lesespaß vs. Exaktheit
  • Die Detailtiefe ist unterschiedlich (z. B. keine Fehlerbeschreibung im Benutzerhandbuch, siehe Pyramide)
Gibt es andere Erfahrungen? Welche Voraussetzungen gibt es und wann sind diese tatsächlich einmal erfüllt?

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